Das Grußgebet des Nagarjuna
"Ich verneige mich vor dem vollkommenen Buddha,dem Besten aller Lehrer, der das abhängige Entstehen lehrte:
Kein Vergehen, kein Entstehen,
keine Vernichtung, keine Ewigkeit,
kein Kommen, kein Gehen,
keine Vielfalt, keine Einheit.
Er lehrte den vollkommenen Frieden, das Zurruhekommen aller begrifflichen Konstruktionen.“
(Das Grußgebet des Nagarjuna)
Gedanken des Reiki-Meisters zum Morgengebet des Nagarjuna
Info: Die folgenden Gedanken verstehen sich nicht als buddhologische Auslegung, sondern als persönliche spirituelle Annäherung an den Text des Grußgebetes des Nagarjuna.
Ich bin auf das Grußgebet des Nagarjuna zum ersten Mal in einer Doku über den Dalai Lama gestolpert - dort berichtet der 14te Dalai Lama, dass er seinne Tag mit gefalteten Händen und der Rezitation des Grußgebets des Nagarjunas beginnt. Von Interesse bewegt, wollte ich im Anschluß an diese Szene in der besagten Doku herausfinden, was es mit diesem Grußgebet auf sich haben könnte - und bin so ebenfalls - auch ohne dass ich ein großer Experte für buddhistische Lehre oder Nagarjunas umfassendes Werk wäre - auf dieses wahre Kleinod der spirituellen Tradition der Menschheitsgeschichte gestoßen.
Der Betende verneigt sich mit Nagarjuna vor dem Buddha als dem größten aller Lehrer. Der Buddha wird als größter aller Lehrer bezeichnet, weil er das abhängige Entstehen lehrte. Doch dann schließt Nagarjuna einen wahren Epos des Wechselseitigen Nicht-Abhängikeiten an. Und genau dieses Wechselspiel hat etwas zutiefst Bewegendes. In den Worten Nagarjunas begegnet uns ein Schlüssel der Weisheit, der uns - ähnlichen einem Koan aber doch unterschiedlich - zutiefst anspricht und bewegt - auch wenn wir die dahinterstehende spirituelle Lehre sonst nicht kennen oder noch nie in diesem Leben vernommen haben.
Mein Interesse war geweckt, daher wollte ich dieser Lehre Nagarjunas weiter nachspüren - auch ohne ein Kenner indischer Weisheitsliteratur zu sein. Und so fand ich schnell den Sanskritbegriff der uns im deutschen als “abhänggies Entstehen” übersetzt wird.
Der Sanskritbegriff ist pratītyasamutpāda. pratītya meint gestützt auf, abhängig von, aufgrund von. samutpāda meint Hervorkommen, Entstehen. Also tatsächlich ein Entstehen, das auf etwas anderes - wie einer Bedingung oder Ursache die zu seinem Entstehen führte - gestützt herortritt. Ein Sein das aus einem anderen Sein stammt.

Doch dabei bleibt der Text des Gebets nicht stehen. Vielmehr verlässt Nagarjuna den im ersten Vers getätigten Abhängikeitsgedanken - und entfalte eine wunderschöne non-kausale Epiphanie. Denn der Buddha war - im Pali Kanon - nicht der Lehrer, der nur das abhängige entstehen lehrte. Er lehrte den Weg aus dieser Abhängigkeit - den Weg hin zur Befreiung aus dem Kreislauf des Leids. Weil alles in der Welt dem Kreislauf des Leids unterworfen ist und alles Seiende von etwas Leidendem kommt, besteht der Ausweg aus dem Leiden in der Nicht-Anhaftung an diese begrenzende Bedingtheit.
Und so lehrte der Buddha: Kein Vergehen, kein Entstehen,
keine Vernichtung, keine Ewigkeit,
kein Kommen, kein Gehen,
keine Vielfalt, keine Einheit.
Sondern den Weg zu einem tiefen inneren Frieden, den manche von uns als Erleuchtung bezeichnen.
Dies sind zumindest meine Gedanken zu dem Grußgebet des Nagarjuna, die ich im Rahmen dieser kurzen Reflexion gerne mit euch teilen wollte.
Der Sanskrittext
anirodham anutpādam anucchedam aśāśvatam |
anekārtham anānārtham anāgamam anirgamam ||
yaḥ pratītyasamutpādaṃ prapañcopaśamaṃ śivam |
deśayāmāsa saṃbuddhas taṃ vande vadatāṃ varam ||
Deutsche Übertragung
*Nicht Vernichtung und nicht Entstehung,
nicht Auslöschung und nicht Ewigkeit,
nicht Einheit und nicht Vielheit,
nicht Kommen und nicht Gehen.
Dem vollkommen Erwachten, dem Höchsten der Lehrer,
der das abhängige Entstehen lehrte –
die Stillung der begrifflichen Entfaltung,
das Friedvolle –, ihm erweise ich Verehrung.**
(Das Morgengebet des Nagarjuna - deutsche Übertragung laut ChatGPT)
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