Mögest du deinen eigenen Gedanken mit Freundlichkeit begegnen und aus deiner Mitte heraus handeln.

Mögest du deinen eigenen Gedanken mit Freundlichkeit begegnen und aus deiner Mitte heraus handeln.

„Mögest du deinen eigenen Gedanken mit Freundlichkeit begegnen und aus deiner Mitte heraus handeln.“

Dieser Segen verbindet zwei Haltungen miteinander, die für viele spirituelle Wege zentral sind: Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Inneren und bewusstes Handeln aus einer gesammelten Mitte.

Unsere Gedanken erscheinen oft, bevor wir sie gewählt haben.

Manche sind hilfreich.
Manche kritisch.
Manche ängstlich oder widersprüchlich.
Und manche wiederholen sich so oft, dass wir beginnen, sie für unumstößliche Wahrheiten zu halten.

„Mögest du deinen eigenen Gedanken mit Freundlichkeit begegnen …“

Freundlichkeit bedeutet dabei nicht, jedem Gedanken zu glauben oder ihn gutzuheißen.

Sie bedeutet vielmehr, das eigene Innere nicht sofort zum Kampfplatz zu machen.

Auch in meditativen Traditionen wird immer wieder dazu eingeladen, Gedanken zunächst wahrzunehmen, ohne sich vollständig mit ihnen zu identifizieren. Ein Gedanke darf erscheinen, ohne dass er automatisch bestimmt, wer wir sind oder wie wir handeln müssen.

In der christlichen Spiritualität findet sich ein verwandter Gedanke in der Haltung der inneren Wachsamkeit und Unterscheidung: Was bewegt mich gerade? Woher kommt dieser Impuls? Führt er mich zu größerer Klarheit, Liebe und Freiheit – oder macht er mich enger?

Freundlichkeit schafft dafür einen besonderen Raum.

Denn wenn wir uns selbst innerlich nur mit Härte begegnen, wird echte Unterscheidung oft schwieriger. Wer seine Gedanken freundlich betrachten kann, muss sie weder verdrängen noch ihnen blind folgen.

Dann führt der Segen weiter:

„… und aus deiner Mitte heraus handeln.“

Die eigene Mitte bezeichnet hier jenen inneren Ort, an dem Gedanken, Gefühle, Werte und bewusste Entscheidung wieder zusammenfinden.

Aus der Mitte zu handeln bedeutet deshalb nicht, vollkommen ruhig oder frei von Zweifel zu sein.

Es bedeutet, sich nicht von jedem spontanen Gedanken sofort forttragen zu lassen.

Zwischen innerem Impuls und äußerer Handlung kann ein kleiner Raum entstehen.

Und genau in diesem Raum liegt Freiheit.

Vielleicht fragt dieser Segen deshalb:

Kann ich wahrnehmen, was in mir geschieht,
ohne mich dafür zu verurteilen?
Kann ich meinen Gedanken zuhören, ohne jedem von ihnen folgen zu müssen?
Und kann ich dann aus dem Teil in mir handeln, der tiefer reicht als der erste Impuls?

Vielleicht ist das eine Form innerer Freundlichkeit:

die eigenen Gedanken kommen zu lassen,
sie mit offenen Augen zu betrachten
und die Richtung des eigenen Handelns dennoch bewusst selbst zu wählen.

 

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